“Corpus Iuris Civilis”

1. Einführungstext

Der Begriff “Corpus Iuris Civilis” ist für das frühe Mittelalter anachronistisch, da diese Bezeichnung erst seit dem 13. Jahrhundert gebräuchlich ist. Sie soll hier aber dennoch als Sammelbegriff dienen. Das Corpus umfasst den Codex Iustinianus, die Digesten, die Institutionen und die Novellen. Die Novellen werden hier nicht aufgeführt, da die bekannteste Sammlung der Novellen für das frühe Mittelalter die Epitome Iuliani ist. Ebenso werden die Digesten nicht behandelt, die erst seit dem Hochmittelalter größere Bedeutung erlangten. Unten stehen nur Handschriften, die vor der umfassenden Wiederentdeckung des justinianischen Rechts von der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert entstanden sind, somit also die frühesten.

Codex Iustinianus: Vom Codex Iustinianus, dessen Rezeption im früheren Mittelalter als vergleichsweise gering zu bezeichnen ist, gibt es insgesamt zwei Fassungen. Der erste Codex trat 529 in Kraft, nachdem erst ein Jahr zuvor eine zehnköpfige Kommission zu dessen Erarbeitung eingesetzt worden war. Im Zuge der anhaltenden Kodifizierungstätigkeit Justinians wurde dieser erste Codex obsolet und daher 534 durch eine Neufassung ersetzt (Codex repetitae praelectionis), der bis heute Teil des Corpus iuris civilis ist. Der Codex Justinians ersetzt die älteren Codices Gregorianus, Hermogenianus und Theodosianus, die somit offiziell ihre Gültigkeit verloren. Der in 12 Bücher eingeteilte Codex sammelt insgesamt über 4600 kaiserliche Konstitutionen.

Institutionen: Die Institutionen sind ein von Justinian sanktioniertes Lehrbuch, das mit den Digesten im Jahr 533 veröffentlicht wurde. Es teilt sich in vier Bücher auf und umfasst 98 Titel, die alle relevanten Rechtsbereiche abdecken. Die Institutiones des klassischen römischen Juristen Gaius sind ein wichtiges Vorbild für die justinianischen Institutionen.


2. Edition

  • Paul Krüger (Hrsg.), Codex Iustinianus, Berlin 1877.
  • Paul Krüger (Hrsg.), Iustiniani Institutiones, 3. Aufl. Berlin 1908.

3. Literaturempfehlungen (seit 2000)

  • Caroline Humfress, Law and legal practice in the age of Justinian, in: Michael Maas (Hrsg.), The Cambridge Companion to the Age of Justinian, Cambridge 2005, S. 161-184.
  • Simon Corcoran, Justinian and his two Codes. Revisiting P. Oxy. 1814, in: The Journal of Juristic Papyrology XXXVIII (2008), S. 73-111.
  • Ulrich Manthe, Art. “Corpus Iuris Civilis”, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte 1, 2. Aufl. 2008, Sp. 901-907.
  • Simon Corcoran, After Krüger: Observations on some additional or revised Justinian Code headings and subscripts, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Romanistische Abteilung 126 (2009), S. 423-439.
  • Simon Corcoran, The Novus Codex and the Codex Repetitae Praelectionis: Justinian and his codes, in: Benoist – Daguet-Gagey – Hoët-van Cauwenberghe (Hrsg.), Figures d’empire, fragments de mémoire. Pouvoirs et identités dans le monde romain impérial (IIe s. av. n. è.-VIe s. ap. n. è.), Lille 2011, S. 425-444.

4. Weitere Ressourcen

Digitalisat des Papyrus-Fragments P. Oxy XV 1814 des Codex Iustinianus ist hier verfügbar.


5. Handschriften [26]