Paris, Bibliothèque Nationale, Lat. 4787

Paris, Bibliothèque Nationale, Lat. 4787

Weltliches Recht im Frankenreich

Aufbewahrungsort:

Paris (Frankreich)
Bibliothèque Nationale
Lat. 4787

Sigle bei Eckhardt 1962: K 42

Digitalisat verfügbar bei BnF


Entstehung und Überlieferung:

Entstehung:
10. Jh. (Beyerle/Buchner, Lehmann/Eckhardt 1966, Bischoff HA); Mitte 9. Jh., (nord-)französisch (Mordek); ca. 3. Viertel 9. Jh., „französ., wohl mehr nördl.“ (Bischoff) (Kottje); 2. Viertel 9. Jh. (Eckhardt 1962 nach Bischoff); 2. Hälfte 9. Jh., nördliches Frankreich (Hartmann); ca. 3. Viertel 9. Jh., nördliches Frankreich (?) (Bischoff)

Provenienz:
Aus der Bibliothek des Kapitels von Le Puy-en-Velay in die Bibliothek von Colbert (Nr. 6197). Regius 5942.5.A


Äußere Beschreibung:

Material: Pergament
Lagen: (IV-1)7 + 3.IV31 + (IV-1)38 + 9.IV110. Kustoden: Lage 1-5 (a-e), Lage 6-15 (Q. 1-8)
Anzahl: 110 foll. (2 Teile)
Größe: 200 x 130 mm
Schriftraum: 155 x 85 mm
Zeilen: 19

Schrift: zumindest zwei Schreiber (Wechsel beim Ende der ersten Kustodenzählung) einer zierlichen Minuskel mit kaum Ligaturen (nur nt, et, st, ct); fol. 3r: 10-zeilige Initiale. fol. 44v und 45r: die Überschrift der Lex Alamannorum in gemischter Unziale; fol. 45r: 5-zeilige Initiale wie auf fol. 3r; fol. 47r: 10-zeilige Initiale, rote Rubriken in gemischter Unziale; fol. 80v: neunzeilige, verzierte Initiale; fol. 95v: ganzseitige, schwarz-gelbe Darstellung eines Gesetzgebers im Ritual der Freilassung (denariatio) (Abbildung: MGH Leges V, nach p. 200; Mordek, Frühmittelalterliche Gesetzgeber, Tafel 25).
Einband: Rotes Leder auf Holz mit goldenem Wappen des französischen Königs.

Glossen:


Inhalte:

  • 1r - 37v
    Lex Salica Karolina. Titelverzeichnis und Text
  • 37v - 39v
    Direkt anschließend an den letzten Titel der Lex Salica folgt Lex Alamannorum tit. 6. Incipit: VI de iuratoribus quales vel quantos secundum euua homo habere debet. De minoirbus causis usque ad solidum valentem ... Explicit: ... ut de illa causa unde interpellatus est cuplabilis non sit. Explicit
  • 39r - 78r
    Lex Alamannorum, Titelverzeichnis und Text (Klasse B). Explicit: ... si quis ingenuum aut ingenuam extraneam sine permisso cuius fuerit in terram miserit xl sol. sit culpabilis si servus fuerit xii sol. solvat.
  • 78r - 108r
    Lex Ribuaria, Titelverzeichnis und Text. Explicit: ... ut pax perpetua stabilis permaneat. EXPLICIT LEGIS RIBUARIA.
  • 108v
    leer
  • 109r
    Antiphon (wie Borders/Brunner, Early medieval chants from Nonantula, p. xxxvii). Ego sum alfa et omega, primus et novissimus inicium et finis …
  • 109v
    Gebet. Domine Iesu Christe aput me sis ut me defendis de in pugna ...
  • 110r
    Federproben: Domine Iesu Christe. Vos autem lectores. Vos autem lectores qui psalterium legeritis.
Die zwei Teile der Handschrift sind durch die unterschiedliche Zählung der Kustoden voneinander getrennt. Vermutlich aufgrund dieses Befunds stellte Wormald (p. 66) die These auf, dass hier heterogenes Material zu einem Rechtscodex nach dem Modell des Leges-Skriptoriums zusammengebunden wurde. Diese These ist jedoch nicht hinlänglich begründet. Denn die Ausstattung der Handschrift weist eindeutig auf gleiche Herkunft: die Ausschmückung der Initialen geschieht nach demselben Stil. Darüber hinaus findet sich der Schreiber, der auf fol. 10r den ersten Teil übernimmt, auch im zweiten Teil ab fol. 95r wieder (so Buchner p. 86). Alle Schriften des Codex weisen überdies dasselbe Formenrepertoire auf (dreigliedriges a neben Minuskel-a, wenig Ligaturen, rechtsgeneigte Schrift). Der Schreiber des Anfangs des zweiten Teils ist durch die oben und unten offene Form des g zu unterscheiden. Insgesamt wird man daher davon ausgehen können, dass die beiden Teile zwar getrennt voneinander entstanden sind, aber bald zu einem im großen und ganzen einheitlichen Rechtscodex zusammengebunden wurden. Die Fragmente auf den letzten Blättern weisen auf eine geistliche Institution hin. Die Abschrift der Lex Salica ist an vielen Stellen korrigiert, an manchen Stellen sind sogar ganze Sätze nachgetragen (fol. 12r, 13v, 21v, 29v, 34r, 36v). [Karl Ubl]

Literatur:

  • Delisle 1868 p. 512
  • Buchner 1940 p. 86-87
  • Beyerle / Buchner 1954 p. 37
  • Eckhardt 1962 p. XXI
  • Lehmann / Eckhardt 1966 p. 15
  • Kottje 1987 p. 366, 373
  • Schott 1988 p. 105
  • McKitterick 1989 p. 51
  • Gontrum 1993 Part 2 p. 81-90
  • Mordek 1995 p. 135 [als PDF-Download]
  • Bischoff HA Fiche 31, 7.58 (p. 20)
  • Hartmann 2008 p. 96 (n. 201), 97 (n. 206), 326
  • Bischoff 2014 p. 102
  • Ganz 2015 p. 260
  • Faulkner 2016 p. 256
  • Ubl 2017 p. 241
  • Catalogus codicum manuscriptorum Bibliothecae Regiae 3,3, Paris 1744, p. 632.
  • Hubert Mordek, Frühmittelalterliche Gesetzgeber und Iustitia in Miniaturen weltlicher Rechtshandschriften, in: La giustizia nell'alto medioevo. Secoli V-VIII (Settimane di studio del Centro italiano di studi sull'alto medioevo 42), Spoleto 1995, p. 997-1052, hier p. 1032-1034.
  • Patrick Wormald, The Making of English Law. King Alfred to the Twelfth Century, Oxford / Malden 1999, p. 66 n. 189.

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