Autun, Bibliothèque du Séminaire, 36

Weltliches Recht im Frankenreich

Aufbewahrungsort:

Autun (Frankreich)
Bibliothèque du Séminaire
36 (S 40)

Sigle bei Eckhardt 1962: K 47

Digitalisat verfügbar bei Bibliothèque virtuelle


Entstehung und Überlieferung:

Entstehung:
Mitte 9. Jh. (Eckhardt 1962 nach Bischoff); 2. Drittel 9. Jh., mittleres oder nördliches Frankreich (Bischoff)

Provenienz:
Die Handschrift zählte spätestens seit dem 16. Jh. zum Bestand der Dombibliothek von Autun und kam nach deren Auflösung in die Bibliothek des Priesterseminars und nach 1905 in die Bibliothèque municipale. Zum Entstehungsort lässt sich nur die Vermutung von Bernhard Bischoff wiederholen, der die Schrift ins „mittlere oder nördliche Frankreich“ lokalisiert.


Äußere Beschreibung:


Lagen: 7.IV56 + (III-3)62 + I64 + 3.IV88 + (III-2)92 + (IV-1)102 + 2.IV118 + (IV-1)125. Einige Blätter wurden nach der Foliierung herausgeschnitten (fol. 57-59; 93-94; 101). Die achte Lage ist bei der Bindung durcheinander geraten, die alte Foliierung gibt die richtige Reihenfolge wieder (jetzt: fol. 63, 64, 62, 60, 61). Kustoden: fol. 80v (III) und fol. 88v (IIII)
Anzahl: 119 foll.
Größe: 235 x 175 mm
Schriftraum: 160-167 x 110-123 mm

Schrift: „kräftige Minuskel“ (B. Bischoff). Rubriken in Unziale, Initialen in „kräftig konturierter Hohlcapitalis“ (B. Bischoff); Rubriken fehlen in Teil II. Auf fol. 29v befindet sich eine „rohe Federzeichnung“ (B. Bischoff), die einen König (wohl Karl den Großen als Adressaten des Traktats) darstellt.

Glossen:


Inhalte:

  • 1r
    Schriftprobe und nicht mehr lesbare Notizen
  • 1v-47v
    Alkuin, De fide sanctae et individuae trinitatis
  • 48v-52v
    Alkuin, Quaestiones de trinitate ad Fredegisum
  • 53r-56r
    Alkuin, De ratione animae ad Eulaliam virginem (fragmentarisch)
  • 56v
    leer
  • 60r-92v
    Lex Salica Karolina, Text. Incipit: Si quis ad mallum legibus dominicis … Explicit: … Si quis hominem sine consensu iudicis de ramo ubi// (Lex Salica 69,2)
  • 95r-99r
    Lex Alamannorum, Titelverzeichnis und Tit. 1-3,1 (in MGH LL nat. Germ. 5/1 nicht benützt). Explicit: … Si quis homo aliquem persequens fugitivum aut liberum //
  • Pseudo-Augustinus, Dialogus quaestionum LXV Orosii percontantis et Augustini respondentis
Die Handschrift besteht aus zwei Teilen. Der erste umfasst Lage 1-7, der zweite reicht von foll. 60r-99r; darauf folgt ein später geschriebener Text (Ps.-Augustinus, 10. Jh.), der aber direkt an die fragmentarische Lex Alemannorum anschließt. Obwohl die ersten beiden Teile von einem Schreiber aus der Mitte des 9. Jahrhunderts in einer Minuskel ohne Ligaturen und Doppelformen geschrieben sind, gehörten sie wohl ursprünglich nicht zusammen. Denn die Zählung der Kustoden beginnt von neuem mit der achten Lage. Somit war der Leges-Teil wohl als eine eigene Handschrift gedacht und sollte zumindest die Lex Salica und die Lex Alamannorum umfassen. Das Titelverzeichnis der Lex Salica stand nach Pardessus wohl auf den herausgeschnittenen Blättern 57-60, das Ende auf den ebenfalls herausgeschnittenen Blättern 93-94. Offensichtlich hatte der Kopist jedoch bald das Interesse an den Leges verloren, denn dieser Teil der Handschrift lässt im Gegensatz zum ersten Teil die Rubriken unausgeführt. Die oft großen Zwischenräume zwischen den Titeln sind leer. Dadurch ist selbst nicht erkennbar, dass es sich bei der Lex Alamannorum um einen neuen Text handelt. Daher rührt wohl das Missverständnis bei Hänel (Catalogi librorum manuscriptorum, Sp. 63) und Pertz (MGH LL 1, p. 271), dass es sich hierbei um ein Kapitular Karls des Großen handelte. Dieser Fehler wurde bereits von Pardessus, (Loi Salique, p. XXXVI f.), Christ (Schloßbibliothek, p. 321) und zuletzt von Mordek (Bibliotheca, p. 1043) richtiggestellt. Nachdem der Schreiber auf fol. 99r die Abschrift der Lex Alamannorum mitten im Titel 3 abgebrochen hatte, füllte ein anderer Schreiber wohl erst im 10. Jahrhundert die folgenden Seiten. [Karl Ubl]

Literatur:

  • Eckhardt 1962 p. XXI-XXII
  • McKitterick p. 47, 52
  • Mordek 1995 p. 1043 [als PDF-Download]
  • Bischoff 1998 p. 39
  • Faulkner 2016 p. 256
  • Ubl 2017 p. 241
  • Jean Marie Pardessus, Loi Salique ou recueil contenant les anciennes rédactions de cette loi et le texte connu sous le nom de Lex Emendata avec des notes et des dissertations, Paris 1843, p. XXXVI-XXXVIII. (Internet Archive)
  • Catalogue général des manuscrits des Bibliothèques Publiques des Départements 1 (1849), p. 21-22.
  • Karl Christ, Die Schloßbibliothek von Nikolsburg und die Überlieferung der Kapitulariensammlung des Ansegis, in: Deutsches Archiv 1 (1937), p. 281-322, hier p. 321.
  • Guy Lanoë, Les plus anciens manuscrits d'Autun, in: Regards sur les manuscrits d'Autun. VIe-XVIIIe siècles. Catalogue publié à l'occasion de l'exposition "Les manuscrits d'Autun, une redécouverte", Bibliothèque municipale d'Autun, 17 juillet-21 octobre 1995, Autun 1995, p. 40-55, hier p. 54.
  • Marie-Hélène Jullien (Hrsg.), Clavis des auteurs latins du moyen âge (territoire français, 735-987), Bd. 2 (Clavis Scriptorum Latinorum Medii Aevi 2), Turnhout 1999.
  • Claire Maître, Catalogue des manuscrits d'Autun: Bibliothèque municipale et Société éduenne, Turnhout 2004, p. 134-138.
  • Eric Knibbs / E. Ann Matter (Hrsg.), Alcuinus Eboracensis: De fide Sanctae Trinitatis et de incarnatione Christi. Quaestiones de Sancta Trinitate (Corpus Christianorum. Continuatio Mediaevalis 249), Turnhout 2012, p. XIX-XX.

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